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Elektromobilität als Zukunftskonzept? Ein Kommentar von Ivo Lambrecht

Elektropionier: Toyota Prius in der aktuelle Version. (c) Toyota
Volkswagen Golf GTE im klassischen Outfit. (c) VW AG
Elektropionier: Toyota Prius in der aktuelle Version. (c) Toyota
BMW i3 Cockpit - futuristisch gestaltet. (c) BMW AG
Elektropionier: Toyota Prius im Generationenwechsel. (c) Toyota
BMW i3 an der Ladestation. (c) BMW AG
BMW i3 in der Seitenansicht. (c) BMW AG
BMW i3 und i8. (c) BMW AG
BMW i8 Heckansicht. (c) BMW AG

Elektromobilität: Hype oder tragfähiges Zukunftskonzept?

Ein Kommentar von Ivo Lambrecht

Wenn es um Elektromobilität geht bin ich bin in gewisser Weise ein Traditions-Moderne-Zwitter, denn ich gehöre der Generation an, die im Zeitalter der Verbrennungsmotoren aufgewachsen ist. Auf der anderen Seite bin ich aber auch jung genug, um mich auf neue Technologien, Innovationen und mobile Zukunftskonzepte einzulassen und darüber nachzudenken und diese auch zu bewerten.

Fossile Energieträger haben ausgedient

Bereits seit vielen Jahrzehnten tüfteln die Autobauer auf der ganzen Welt an neuen Antriebstechnologien, die den Verbrennungsmotor ergänzen oder ersetzen können. Das liegt an den seit Jahrzehnten bestehenden Befürchtungen, dass die fossilen Brennstoffe (also in erster Linie das Öl) sich dem Ende neigen und damit eben auch keine Verbrennungsmotoren mehr betrieben werden können.  Als Beispiele für diese alternativen Konzepte möchte ich hier auf BMW mit dem Wasserstoff, Mercedes mit den Brennstoffzellen und Toyota mit dem Hybridantrieb verweisen.

Ich kann nicht genau beurteilen wie ernsthaft die Hersteller tatsächlich an diesen Technologien als alternative Antriebsform gearbeitet haben. Zumindest die deutschen Hersteller haben lediglich in gewissen Intervallen Ihre Top-Produkte (wie 7er-Reihe und S-Klasse) damit ausgerüstet und sie der Öffentlichkeit präsentiert. Ich persönlich hatte aber nie den Eindruck, dass es sich um einen ernsten Versuch handelt, diese Technologien in Kürze einer breiten Masse zur Verfügung zu stellen.

Bei Toyota lief das, wie wir wissen, doch etwas anders. Man baute mit dem Prius ein eigenständiges Modell, welches mit der Hybrid-Technologie ausgerüstet war. Und der große Unterschied liegt darin, dass dieses Auto auch wirklich für den Verkauf bestimmt war. Das unterstreicht zum einen die Ernsthaftigkeit mit der die Japaner eine neue Technologie entwickeln und natürlich die Praxistauglichkeit dieser Technologie selbst. Immerhin verkauft sich der Prius in durchaus passablen Stückzahlen und hat vor allem in den USA durchaus Verkaufserfolge. Er ist somit ein Pionier wenn es um die Elektromobilität geht.

Hybrid als erste Stufe der Elektrifizierung

Zur Erklärung sollte erwähnt werden, dass der Hybridantrieb den Vorteil bietet, dass er seine Akkus durch den ebenfalls integrierten Verbrennungsmotor und durch Maßnahmen der Rekuperation
(z. B. Rückgewinnung der Energie beim Bremsen oder im Schubbetrieb) aufladen kann. Nur die Varianten mit einem Plug-in-Hybrid haben darüberhinaus die Möglichkeit direkt über eine externe Stromquelle mit zusätzlicher Energie versorgt zu werden.

Den nächsten Meilenstein bei der Elektromobilität erreichte die Firma Tesla Motors, die den reinen Elektroantrieb (also ohne Zusatz von Verbrennungsmotoren) populär machte. Im Jahre 2006 wurde der Tesla Roadster vorgestellt. Ein Sportwagen dessen Karosserie gemeinsam mit der Firma Lotus gebaut wurde und deshalb optisch dem Lotus Elise ähnelt. Dieser Wagen bietet sowohl sportliche Fahrleistungen als auch eine durchaus praxistaugliche Reichweite (ca. 350 km). Obwohl der Wagen sehr teuer war (109.000,- US$), erfreute er sich großer Beliebtheit und zeigte, dass Konsumenten durchaus aufgeschlossen für neue Antriebstechnologien sind.

Elektroantrieb ist kein neues Konzept

Das ist aber nichts Neues, denn die Geschichte der Elektromobilität beginnt schon deutlich früher, nämlich zur gleichen Zeit wie die Geschichte des Automobils selbst. Zu Beginn der Mobilität war der Verbrennungsmotor nicht per se als maßgeblicher Antrieb gesetzt. Um das Jahr 1900 herum wurden 40% der Automobile in den USA mit Dampf und 38% mit Elektrizität betrieben. Nur die restlichen 22% hatten einen Verbrennungsmotor. Die Gründe für den Erfolg des Verbrennungsmotor waren die gleichen wie heutzutage auch: Eine größere Reichweite und kürze Auflagezyklen. Mehr Informationen findet ihr hier.

Elektromobilität: Volkswagen Golf GTE Steckdose hinterm VW-Logo. (c) VW AG
Volkswagen Golf GTE Steckdose hinterm VW-Logo. (c) VW AG

Doch wie sieht es heute aus? Durch die Popularität von Prius, Tesla & Co. sind die Antriebe auf elektrischer Basis stark in den öffentlichen Fokus gerückt und weisen, je nach Konzept, mittlerweile eine durchaus solide Technik aus. Jeder Hersteller hat mittlerweile mehr oder weniger überzeugende Produkte in seinem Portfolio. Die Schlagworte sind Hybridantrieb, Plug-in-Hybrid, Elektrisch, Range Extender etc. Welcher Konsument sieht da noch genau durch? Und handelt es sich nicht um eine Verwässerung, die hauptsächlich von den Marketingstrategen erzeugt wird?

Wenn wir uns die Verbräuche der Hybrid-Antriebe anschauen, sehen wir Zahlen von unter 2 Litern auf 100 km. Wirklich Traumhaft, das muss man schon zugeben. Aber das gilt nur für die ersten 100 km, weil dort ein gewisser Teil rein elektrisch gefahren werden kann. Wenn man sich den gesamten Tankzyklus dieser Fahrzeuge anschaut, dann kommen einem die Verbrauchswerte durchaus bekannt vor. Sie sehen nicht viel anders aus, als bspw. bei einem hocheffizienten Dieseltriebwerk.

Was spricht dann für den Kauf dieser teueren und noch sehr schweren Technik? Image oder ein grünes Gefühl etwas für die Umwelt zu leisten? Ich bin mir da nicht sicher. Wenn ich mir die Umweltbilanz eines Hybridfahrzeugs anschaue, dann stehen ein geringer Verbrauch einem hohen Ressourceneinsatz (Batterien) entgegen.

Das Problem des „Tankens“

Anders zu bewerten sind meiner Meinung nach die reinen Elektrofahrzeuge. Hier haben wir jedoch andere Probleme. Zum einen die noch recht dürftigen Reichweiten von deutlich unter 200km. Und eines der größten Probleme: Das Aufladen. Mit Reichweiten von unter 200km komme ich gerade in der Stadt durchaus über den Tag. Doch ist das Aufladen bisher schlecht organisiert. Ich freue mich, wenn ich überhaupt einen Parkplatz für mein Vehikel finde. Wenn ich dann noch auf die wenigen Ladestationen angewiesen bin um neue Energie zu tanken, wird das wirklich zu einem zentralen Problem.

Elektromobilität: BMW i3 beim Aufladen. (c) BMW AG
BMW i3 beim Aufladen. (c) BMW AG

Wenn ich mir das Stadtzentrum von Berlin anschaue, ist das Netz von Ladestationen nach wie vor sehr sehr dürftig. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit in der Stadt den Strom aus meiner Wohnung zu beziehen. Letzteres ist absolut unrealistisch und würde zu einem absoluten Kabelwirrwarr führen, wenn alle Nutzer auf die Idee kämen so ihre Fahrzeuge zu laden.

In diesem Punkt verstehe ich die Politik nicht. Man hat ehrgeizige Ziele die Elektromobilität voranzutreiben, aber was wird dafür getan? Die Elektroprämie? Ihr könnt meinen aktuellen Beitrag im News Bereich dazu lesen. Derzeit wird die Prämie fast gar nicht genutzt und ist lässt sich nicht mit dem Erfolg der Umweltprämie aus dem Jahr 2009 vergleichen. So lange das Aufladen so problematisch ist und dem Verbraucher keine praktikable Ansätze präsentiert werden, wird sich diese Technologie gerade im städtischen Bereich nicht durchsetzen.

Anders vielleicht auf dem Land, wo die Wohnstruktur eine andere ist. Hier ist zwar die Möglichkeit zum Aufladen gegeben. Aber in diesen Gegenden haben wir zum einen nicht die Problematik der Luftverschmutzung und zum anderen sind die zurückgelegten Strecken durch ein Fahrprofil gekennzeichnet, mit welchem auch die Verbrennungsmotoren ihre komplette Effizienz ausspielen können.

Die Stromerzeugung ist entscheidend

Ein andere Punkt ist natürlich auch die Energiegewinnung. Bei Hybriden wird die gesamte oder Teile der Energiegewinnung über den Verbrennungsmotor geleistet. Hier muss geschaut werden wie energieeffizient dieses System in seiner Gesamtheit funktioniert. Wenn der Strom aus der Dose kommt, ist natürlich ebenfalls entscheidend, wie der Strom gewonnen wurde. Im Idealfall natürlich aus erneuerbaren Energien. Dann ist die Umweltbilanz durchaus sehr positiv. Wenn jedoch der Strom aus Braunkohle gewonnen wird, haben wir letztendlich nur eine Emissionsverschiebung. Damit ist der positive globale Effekt natürlich obsolet.

Elektromobilität: Toyota Prius im Generationenwechsel. (c) Toyota
Elektropionier: Toyota Prius im Generationenwechsel. (c) Toyota
Neue Technologie = neues Design?

Was ich als nächstes ansprechen möchte, ist das Design. Ich freue mich natürlich über Neues beim Autodesign. Die normalen Fahrzeuge aus den Großserien entwickeln sich im Design nur behutsam weiter. Hier traut sich meiner Meinung nach niemand ein Risiko einzugehen. Zumindest ist die bei den deutschen Volumenherstellern so zu beobachten.

Durch die Einführung eigener Elektromarken scheint dieses Paradigma aufgebrochen zu werden. Vor allem BMW mit seiner i-Familie möchte ich hier erwähnen. Das Design der derzeit auf dem Markt befindlichen i3 und i8 Fahrzeuge hat nichts mit dem anderer BMW Modelle gemeinsam. Das liegt sicherlich auch daran, dass dafür neue Werkstoffe zum Einsatz kommen dessen Möglichkeiten getestet und gezeigt werden sollen. Das Kredo lautet wohl neues Design ist gleich neue Antriebstechnologie und auffallen um fast jeden Preis. Ich liebe neues Design, bin aber der Meinung, dass es in diesem Fall nicht richtig funktioniert.

Es gibt keine wirklich plausible Erklärung, warum ein neuer Antrieb zwangsläufig auch ein neues Gestaltungsbild erfordert. Volkswagen nutz für seinen Elektroantrieb den Golf. Er heißt dort GTE und ist durch ein paar besondere Merkmale gekennzeichnet, aber nach wie vor ist es ein Golf.

Wenn ihr mich persönlich fragt, würde ich auch sagen, dass vor Jahren Modelle anderer Hersteller (meist aus dem asiatischen Raum) für ein ähnliches Design belächelt worden sind und man sie als unattraktiv empfunden hat. Fairerweise muss man das dann auch dem aktuellen Aussehen einiger Fahrzeuge konstatieren. Aber das ist meine ganz persönlich Meinung! Hier darf sich jeder seinen eigenen Geschmack bilden.

Elektromobilität: BMW i8 und i3. (c) BMW AG
BMW i8 und i3. (c) BMW AG
Elektrischer Antrieb verstärkt den Fahrspaß

Vielleicht noch eine andere Sache. Reine Elektrofahrzeuge weisen einige systemische Unterschiede zu Hybriden oder auch klassischen Verbrennungsmotoren auf. Sie sind in der Regel weniger anfällig für Verschleiß, weil weniger beweglich Teile mit weniger Kontakt zueinander eingesetzt werden. Das spricht meiner Meinung nach schon für einen deutlichen Energievorteil, weil eben auch weniger Reibung und Wärme erzeugt wird und so mehr Energie für den Vortrieb genutzt werden kann. Ferner werden auch weniger Peripheriesysteme gebraucht: Kein Kühlsystem, kein Motoröl (entsprechend keine Ölkühlung), kein Getriebe etc… Gerade letzteres macht sich für den Fahrer besonders bemerkbar. Bei Elektrofahrzeugen fährt man sozusagen immer im gleichen Gang. Es ist der klassische Gummibandeffekt mit dem Elektrofahrzeuge beschleunigen. Das macht wirklich Spaß, auch wenn die Fahrzeuge im Vergleich über eher wenig Leistung verfügen.

Fazit

Das Fazit ist, es gibt kein klares Fazit. Für saubere Luft und geringere Umweltbelastung ist die Elektromobilität unbestritten von großen Vorteil. Es gibt aber auch Hindernisse, die beseitigt werden müssen. Vor allem braucht es dafür einen gewissen Diskurs in der Politik. Die Möglichkeiten des Aufladen ist eines der größten Probleme und lässt sich nicht allein durch die Automobilhersteller lösen. Hier ist die Politik gefragt, sonst geht einer flächendeckenden Elektromobilität schnell der Strom aus.

Die Technik funktioniert und wird meines Erachtens in den kommenden Jahren auch das Reichweitenproblem lösen. Hybridvarianten sind hier nach meiner Einschätzung nur eine Übergangslösung hin zu reinen Elektromobilität.

Letztendlich lässt sich für mich nicht klar erkennen, dass Staat und Industrie richtig ernsthaft an diesem Thema arbeiten. Ist es doch so, dass die Hersteller derzeit noch mit der „alten“ Verbrennungstechnik durchaus gutes Geld verdienen und der Staat natürlich auch. Immerhin ist die Mineralölsteuer eine gute Einnahmequelle. Ich persönlich glaube nicht, dass das Geld verdienen bzw. einnehmen dem Umweltgedanken unterstellt wird. Das ist auch in Ordnung, es braucht nur Lösungen, die auch dem Konsumenten gerecht werden.

Das Medienmaterial wurde mit freundlicher Unterstützung der hier abgebildeten Hersteller zur Verfügung gestellt.

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