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Suzuki Jimny im Design Review: Die G-Klasse im Bonsaiformat

Dieser Tage wird der neue Suzuki Jimny vorgestellt. Der Jimny ist ein Modell, dass sich bereits seit 1968 im Programm der Japaner befindet. Er ist die Grundlage der mittlerweile über 50-jährigen Tradition von Suzuki im Allradbereich. Da kann die ein oder andere Marke mit ihren Allraderfahrungen noch als Grünschnabel gelten (z. B. Subaru erst seit 1971/1972, Audi mit dem Quattro seit 1980*). Doch was noch im Jahr 2018 zu den Händlern rollen wird, ist meiner Meinung nach etwas ganz Besonderes.

Das Anti-SUV

Besonders durch das neue Design. Besonders durch seine konsequente Geländeperformance. Besonders als Anti-SUV.
Ich finde es begrüßenswert, dass Suzuki beim Design des neuen Jimny so proaktiv kastig vorgeht. Mir fehlen hier fast die Worte, weil das Design aus Suzukisicht nicht Retro ist. Schaut man sich die Vorgänger an, so gibt es natürlich Anleihen an den Ahnen, aber das Design des neuen Jimny ist hier viel gefälliger, ausgewogener, harmonischer. Der Wagen wirkt ausgereift und seine wirklich kleinen Abmessungen (gerade mal 3,64 m lang!) werden mittels sehr guter Proportionen hervorragend kaschiert.
Ein Blick auf die Vorgänger erzeugt bei mir immer das Gefühl, dass sie mehr hoch als breit sind und dadurch schnell umkippen können. Das ist natürlich Quatsch, denn auch der neue Jimny ist mit seinem kurzen Radstand von 2,25 m durchaus umfallfähig.
Stellt man den neuen Jimny neben seinen, bereits 1998 designten, Vorgänger, könnte man den Neuen glatt für den Alten halten, und andersherum auch.

Blick in den Innenraum des Suzuki Jimny. Eher funktional als schick. Zentraler Navigationsbildschirm zeigt, dass es ein Fahrzeug aus dem hier und jetzt ist. Bild: Suzuki
Blick in den Innenraum des Suzuki Jimny. Eher funktional als schick. Zentraler Navigationsbildschirm zeigt, dass es ein Fahrzeug aus dem hier und jetzt ist. Bild: Suzuki

Ein echtes Offroad-Genie

Unlackierter und robuster Kunststoff findet sich großzügig um das ganze Fahrzeug herum verteilt. Kastendesign, runde Scheinwerfer (mittlerweile ein ganz gutes Erkennungsmerkmal für die wahren Offraoder, wie z. B. auch beim Jeep Wrangler oder der Mercedes-Benz G-Klasse), eine auf der rechten Seite angeschlagenen Hecktür, eine Regenrinne am Dach. Designtechnisch erinnert generell sehr viel an die Mercedes G-Klasse. Doch unter der Karosserie ist alles wie eh und je. Technische Innovationen und Neuerungen? Fehlanzeige. Mit seinem Leiterrahmen und dem zuschaltbaren Allradantrieb (dabei werden die Vorderräder zugeschaltet), den Trommelbremsen ist er technisch auf dem Stand von, na sagen wir mal aus dem letzten Jahrtausend. Und genau das macht den Jimny so loyal sich selbst gegenüber. Denn all diese Zutaten sind die Basis für hervorragende, funktionierende, unkomplizierte Geländetechnik. Denn das ist der Jimny ein waschechter Geländekraxler. Und damit ist er einer der ganz wenigen auf dem Markt und genau das Gegenteil der „große Klappe und oft wenig dahinter“ SUVs, die gefühlt täglich auf den Markt gebracht werden.

Rustikale Offroad Technik: Der Leiterrahmen des Suzuki Jimny für Stabilität und Robustheit.
Rustikales Offroad Technik: Der Leiterrahmen des Suzuki Jimny für Stabilität und Robustheit. Bild: Suzuki

Das hat aber auch seine Schattenseiten

Schwammiges Straßenverhalten, 102 PS aus 1,5 Liter Hubraum, 145km/h Höchstgeschwindigkeit, 85 Liter Kofferraumvolumen (bei nicht umgeklappten Rücksitzen), Rücksitzbänkchen für Erwachsene kaum nutzbar, dröger 1,5 Liter Saugmotor, unpraktische Hecktür (rechts angeschlagen = man benötigt mehr Platz hinterm Auto um sie zu öffnen + man muss ggf. zum Beladen um die Heckklappe herum laufen), für seine Leistung hoher Verbrauch. Das muss man wollen oder zumindest akzeptieren. Zusätzlich erhält man Leiterrahmen, Starrachsen, zuschaltbaren Allradantrieb, große Böschung- und Rampenwinkel.
Der Jimny meistert damit mit Sicherheit alle Städte und alle Straßen. Seinen Meistertitel verdient er sich aber im Gelände, wo er seinen großen Artgenossen in nichts nachsteht.

Der neue Suzuki Jimny wird die Herzen erobern

Der Suzuki Jimny wird ein großer Erfolg. Warum? Er sticht aus der Masse heraus. Er ist ein Charaktertyp. Ein Kumpel mit dem man Pferde stehlen kann, der einen auf allen Wegen des Lebens begleitet. Eine echte Seele und kein Großmaul. Und dennoch sieht er unverschämt gut aus. Jeder ist mit diesem Wagen gut „angezogen“. Sein moderner Retrostil wirkt sympathisch und trotz seiner sehr kleinen Abmessung ist er ein ernstzunehmender Zeitgenosse auf unseren Straßen und Wäldern.

Preise starten deutlich unter 20.000,- EUR

Dafür sprechen auch seine moderaten Preise, die deutlich unter 20.000,- EUR liegen. Los geht’s bei 17.915,- für die Comfort-Linie, für eine Vierstufenautomatik werden zusätzliche 1.180,- EUR verlangt. Neben seinen erwähnten Geländezutaten gibt es dafür auch eine Bluetooth®-Freisprecheinrichtung, Lenkradbedientasten, elektrische Fensterheber vorn, einen Tempomaten mit Geschwindigkeitsbegrenzer, Sitzheizung vorn, ein höhenverstellbares Lenkrad, eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, elektrisch einstellbare Außenspiegel, einen Lichtsensor und Nebelscheinwerfer. Sogar eine Verkehrszeichenerkennung befindet sich an Bord (der Jimny ist damit der erste Suzuki, der damit ausgestattet ist).

Ein Blick in den nicht gerade üppigen Laderaum. Das Umlegen der Rückbank (im Verhältnis 50:50) verschafft nicht nur einen erträglichen Platzgewinn, sondern auch eine komplett ebene Fläche mit praktischem Noppenbelag.
Ein Blick in den nicht gerade üppigen Laderaum. Das Umlegen der Rückbank (im Verhältnis 50:50) verschafft nicht nur einen erträglichen Platzgewinn, sondern auch eine komplett ebene Fläche mit praktischem Noppenbelag. Bild: Suzuki

Mein ganz persönliches Resümee

Ich freue mich, dass Suzuki den neuen Jimny technisch unberührt lässt. Er kommt dennoch mit einem zivilisierten und aufgeräumten Innenraum daher. Er ist mit modernen Assistenten ausgerüstet und hat eine doch umfangreiche Serienausstattung. Ok, das sind seine hard skills.
Sein Highlight ist für mich aber seine Robustheit. Er präsentiert sich als der, der er ist: Ein Geländewagen par excellence.
Er hat so viele Eigenarten und zugegeben auch Unzulänglichkeiten, dass man ihn genau dafür lieben wird. Er ist der schwarze Kaffee in der Welt von Flavoured Latte macchiatos. Er ist einfach ein echt cooler Typ. Jimny, dein neuer bester Freund.

*Anmerkung: Der Quattro-Antrieb ist, anders als das beim Suzuki verwendete zuschaltbaren System, ein permanentes Allradsystem. Der Quattro hat kein getrenntes Verteilergetriebe, sondern ein Mitteldifferential.

2 Responses

  1. In vielen Ländern wird der Jimny ein echter Erfolg werden, da stimme ich absolut zu. Für Länder wie Deutschland oder auch USA ist er aber m.E. einfach zu klein, um auf der Straße auch wirklich zu wirken. Ich persönlich hätte dennoch große Lust, mir einen zuzulegen und damit dem unerträglichen (und überteuerten) Einheistbrei auf unseren Straßen zu entkommen.

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